Der Kirchenchor nach dem „Neustart“

KirchenchorVor etwas über einem Jahr bangten 9 Sängerinnen und 3 Sänger um den Fortbestand ihres Kirchenchors, da ihr Chorleiter aus beruflichen Gründen die Leitung abgeben musste. Nach längerem Zögern - sie leitete zu diesem Zeitpunkt bereits vier andere Chöre - erklärte sich Anette Böckler bereit, die Arbeit mit dem Kirchenchor fortzuführen. Sie begann mit relativ einfachen, eingängigen, zunächst dreistimmigen inzwischen auch vierstimmigen Stücken. Chor und Leiterin fanden schnell zueinander und nach und nach gesellten sich bis heute 11 neue Sänger/innen und Sänger dazu, was sehr erfreulich ist. Bemerkenswert ist auch die Altersspanne: sie reicht derzeit von 14 bis 84 Jahren. Wo gibt es das sonst?

Langsam wächst auch das Repertoire, so dass bereits mehrfach Gottesdienste mitgestaltet werden konnten. Trotz des Zulaufs wäre es erfreulich, wenn der Chor weitere Verstärkung in allen Stimmen bekäme. Das Einstudieren fällt dann leichter und vor allem verkraftet der Chor es eher, wenn doch mal jemand verhindert ist. Der Höhepunkt nach den „Neustart“ des Chors war zweifelsfrei die Gestaltung des Karfreitags­gottesdienstes mit einem Auszug aus der Passionskantate „Dank für Golgatha“ von Klaus Heizmann. Das Singen zum Orchesterplayback stellte dabei eine ganz besondere Herausforderung dar. Das Echo auf diesen Auftritt war ausnahmslos positiv; die Botschaft hatte offensichtlich viele Gottesdienstbesucher innerlich sehr berührt.

Was sagt Anette Böckler selbst zu „ihrem“ neuen Chor? „Wir sind eine gute Mannschaft, es herrscht ein guter Geist gegenseitiger Achtung und Akzeptanz. Die Sänger/innen nehmen das Chorsingen sehr ernst, kommen regelmäßig zu den Proben und nehmen alles an, was ich - auch im Hinblick auf Gesangstechnik - zu vermitteln versuche. In der kommenden Zeit werden wir vor allem modernere Gottesdienstlieder ins Programm aufnehmen. Mir ist sehr wichtig, dass alle meine Choristen sich bewusst sind, wovon sie singen, dass sie den Text interpretieren. Da halte ich es ganz mit Martin Luther, der gesagt hat: ‚Lieder prägen stärker als jeder gesprochene Text. Mit ihren gedichteten Texten fahren sie direkt in die Seele hinein.‘ Und weiter die Chorleiterin: „Es würde mich sehr freuen, wenn der Kirchenchor ein festes Element in der Gemeinde wird und wenn wir mit unseren Liedbeiträgen immer wieder einen Gottesdienst bereichern. Denn da sehe ich unsere Aufgabe. Mein Leib- und Magenspruch, den ich mir immer wieder vor Augen halte, lautet: ‚Wenn einer aus seiner Seele singt, heilt er zugleich seine innere Welt. Wenn viele aus ihrer Seele singen und eins sind in der Musik, heilen sie zugleich auch die äußere Welt.‘ (Yehudi Menuhin)“Kirchenchor 2016

Interessant ist auch zu erfahren, was die „alteingesessenen“ Chormitglieder selbst auf die Frage antworten, was sie über viele Jahre bewogen hat, dem Kirchenchor treu zu bleiben. Die „Freude am Singen“ wird da genannt und „weil ich seit meiner Jugendzeit gerne im Gottesdienst zur Ehre Gottes singe.“ Chorsänger, die nach dem „Neustart“ vor einem Jahr dazu gestoßen sind, nennen „die Professionalität der Probenarbeit, die schönen neuen Lieder und Texte, die Stimmung und die Gemeinschaft“ als Pluspunkte des quasi runderneuerten evangelischen Kirchenchores. Und nicht zu vergessen ist die Überzeugung einer Sängerin: „Anette Böckler ist eine wunderbare, gut ausgebildete und ganz liebe Chorleiterin!“